Donnerstag, 12. Februar 2015
undsoweiter, ich will machen. In der Planung sind verschiedene Projekte, unter anderem das Neukonzipieren meiner Website. Es soll Fotogalerien geben – aber schon die würden bedeuten, die Fotos zu sichten, ordnen und zu benennen. Dazu ein CMS installieren und so weiter. Ausufernd. Und bevor ich beginne, taucht die übliche Frage auf: Wozu? Dass ich ende wie die Busenfreundin, die seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten versucht, der Fotografien Herr zu werden, die im Laufe ihres Lebens entstanden sind, Unmengen von ihnen sicherlich bemerkens- und erhaltenswert. Mittlerweile beherrscht das Chaos im Arbeitszimmer sie statt umgekehrt, Grund genug auf steter Flucht davor zu sein, ihr Therapeut ist auch schon sauer. Oder nehmen wir die (ehemalige) Bürokollegin, ich mag gar nicht darüber schreiben, wie sehr ich leide, dass sie sich so verzettelt. Jetzt hat sie mit Handlettering angefangen und präsentiert mir unsägliche Titelentwürfe für ihr Buch, das sie seit vier Jahren machen will. Außerdem nimmt sie meine Workflow-Vorschläge nicht an. Verdammt, wie oft haben wir schon darüber geredet, erst eine Art Handmuster zu machen, mit Fotoabzügen, und so weiter.

Wahrscheinlich verirre auch ich mich gerade in den ziellosen Aktionen meiner Freunde. Undsoweiter. Ein gutes Wort. So funktioniert nämlich der Geist: Undsoweiterundsoweiter.

Lieber wieder aufs Sofa und weiterlesen: Zen in der Kunst des Bogenschießens, der Schüler-Klassiker von Eugen Herrigel. Vor über dreißig Jahren gelesen und jetzt neu gefunden. ..., dass es eine verschwenderische Fülle heilig gehaltener Zen-Texte gibt. Sie haben indessen die Eigenschaft, nur dem ihren lebensspendenden Sinn zu offenbaren, der aller entscheidenden Erfahrungen gewürdigt worden ist und somit aus diesen Texten herauszulesen vermag, was er unabhängig von diesen schon hat und ist. ... Zen kann somit wie alle Mystik nur von dem verstanden werden, der selbst Mystiker ist ... An diesem Text wiederum die eigene Entwicklung erkennen, macht gerade froh.




Freitag, 6. Februar 2015
In der Dämmerung erwachen und noch nicht wissen, welches Grau das ist, Dämmerungsgrau noch ohne Farbe, oder Schlechtwettergrau. Langsam nur macht es sich breiter und ich liege regungslos eingewickelt in Decken bei offenem Fenster und schaue, wartend. Erinnerungen an Lichtfarben in fernen Ländern. Hong Kong, viel früher als ich sonst aufzustehen pflegte, gehe ich raus auf die Straßen zum nächsten Geldautomaten. Dort dieses Licht, das auf ein paar Menschen fällt, die warten. Reflektiert noch von Mauern und Straßenbelägen. In Rishikesh, in der Stille sitzen am Lieblingsplatz und auf die Sonne warten, die über den Vorbergen des Himalaya aufgehen wird. Wieder dieses Licht, erst grau, unmöglich zu erkennen, ob es Wolken gibt, und dann der Moment, wenn das Grau bläulich scheint, erst nur eine Ahnung, dann, gefiltert von feinsten Partikeln, hellblau! diffus, aber schon mit der Gewissheit von weiteren minimalen Verschiebungen der Stimmungen, hin zu Glück.




Mittwoch, 28. Januar 2015
M. ruft seinem Bruder zu: "J., du musst noch schucken!" Mach ich ja, beruhigt dieser den Älteren und ich lache. Wie lange hab ich dieses Wort nicht mehr gehört! Schucken heißt zahlen und gehört zum Vokabular der Arbeiter, Sinti und anderer Bürger meiner Heimatstadt, Papa kannte und nutzte viele Wörter, wie ich mich jetzt erinnere und am Tisch taucht ein vertrautes Gefühl auf. Warum wir hier sitzen und essen, was J. später schucken wird, ist eher traurig – meine Tante ist mit über 90 Jahren gestorben. Meine Mutter ist nun die letzte Verwandte dieser Generation, alle anderen Tanten und Onkel sind lange tot. Vielleicht gibt es noch ein paar fernere, die ich nicht mehr kenne.

Mama und ich sind schon eher an der Kapelle gewesen und sehen J. und M., der von J. im Rollstuhl geschoben wird, auf uns zukommen, bei ihnen eine Frau mit ergrautem Prinz-Eisenherz-Haar. Ob J. heimlich eine Freundin hat? Wir begrüßen uns, ich umarme J., und die Frau reicht mir dann ihre Hand. Kennst du mich noch? Nee, sag ich und sie, ich bin doch deine Cousine U.! U. habe ich das letzte Mal gesehen, als ich sechs oder sieben war und sie schon über 20. Ich hatte damals nicht verstanden, wer das sein könnte und erinnere jetzt Fotos, auf denen sie zu sehen ist, mit dem gleichen Haarschnitt. Ich bin überrascht und freue mich sehr. U. ist die uneheliche Tochter von H., die von unserem Großvater A. wegen der Schande aus der Familie verstoßen wart. 1946 war das, und obwohl H. den Kindsvater nicht heiratete und auch nicht mit ihm zusammenlebte, schenkte ihr die Beinahe-Schwiegermutter ihren Familiennamen. Deshalb hieß U. mit Nachnamen immer schon anders als die anderen Kinder der großväterlichen Linie.

Ich finde das abenteuerlich und lasse mir beim Leichenschmaus mehr von ihrem Leben erzählen. Mir scheint, dass meine Tanten wahre Rebellinnen waren und die Homosexualität meines lieben Onkels H. macht die Familie noch beeindruckender. Und U. sei früh, mit 18, aus der Heimatstadt fort, weil sie es nicht mehr ausgehalten habe. Eine bunte Mischung hat mein Großvater da zusammengezeugt, vielleicht ist der alte Nazi aus Gram darüber so früh gestorben. Uns Tischgenossen eigen ist eine gewisse Familienähnlichkeit, und U. entschuldigt sich, dass sie mich so anglotzen müsse, ich sähe meinem Vater ja so ähnlich, das schmale Gesicht und wie ich so schauen würde. Auch die Augen eines anderen Gastes, einer langjährigen Mieterin des Großvaterhauses, liegen deshalb stets auf mir und geben mir das Gefühl, als hätte ich irgendwas im Gesicht. Eine Weile bin ich mir selbst fremd, so als wäre ich eine Schauspielerin in der Rolle meines Vaters. Strange.

Wieder einmal wird klar, wie sehr die zweite Frau meines Großvaters, die Mutter meines Nachzügler-Vaters, die Familie auseinandergebracht hat. Ihr war niemand recht, auch ihre Stiefkinder nicht, das beruhte wohl auf Gegenseitigkeit, einzig der schwule H. hatte sie als Mutter annehmen können, er war noch ein Baby, als seine leibliche Mutter starb. Die Matriarchin löste nach dem Tod ihres Mannes offenbar alle Bindungen zu den Stiefkindern, zog mit ihrem Sohn, meinem Vater, und uns zusammen und verurteilte alle(s) in Grund und Boden. Deshalb wusste ich mein halbes Leben nicht, dass J. und M. meine Cousins sind, sowieso war ihr peinlich, dass M. behindert ist, und auch meine Eltern haben nichts dazu beigetragen, Licht in die Verwandschftsverhältnisse zu bringen. Konformität mit der Greisin war bestimmt konfliktfreier so.

Umso mehr freue ich mich über meine neu erworbene Cousine. Es macht Spaß, mit ihr zu plaudern, da ist nichts Fremdes, ich kümmere mich die ganze Zeit kaum um Mama, die klein und mit glatten Teint neben mir sitzt und an ihrem Schnitzel rumschneidet. Ich will endlich meine Familie kennenlernen!

Wir bleiben doch in Kontakt, wünschen wir uns beide zum Abschied, J. hat in der Zwischenzeit alles geschuckt, auch den Kaffee und die Riesenportion Nachtisch, bedauern noch eben, dass wir uns erst jetzt getroffen haben und hoffen auf mehr davon in Kürze.




Montag, 26. Januar 2015
Am meisten betrübt es mich, dass meine Mutter (wie viele andere Ältere) sich nur wenig spirituell entwickelt hat. Ich hätte erwartet, dass eine wie immer geartete, fruchtbare Auseinandersetzung mit dem Tod (und somit dem Leben) sie in ihren letzten Lebensjahren stärken würde. So höre ich neuerdings immer häufiger die Klage was ist das denn noch für ein Leben? Dass es keine Philosophie gibt, mit deren Hilfe sie das eigene Leben zu reflektieren vermag, macht mich traurig. Ich habe mir immer vorgestellt, dass man am Ende frohen Herzens nach Hause gehen kann, zufrieden mit dem Gelebten und Gehabten und geduldig wartend, wenn der Körper beginnt sich zu verabschieden.

Früh wurden wir Schwestern vom Katholizismus genervt, zum Kirchgang gezwungen und auch zur Beichte, aber Vorbildcharakter hatte das Ganze für mich nicht, sondern deutlich den des Missbrauchs, denn Nächstenliebe wurde zwar gepredigt, aber nicht praktiziert, oder nur so, dass die Eltern selbst Empfänger für Nächstenliebe waren. – Da bin ich vielleicht ungerecht, aber in der Rückschau kommt es mir vor, dass eher wir die Gebenden waren – unsere Gaben aber waren durchdrungen von Schuld, und nicht Mitgefühl.

Ich kann das Schuldgefühl schlecht loslassen und würde mir wünschen, dass jemand mich davon befreit. Es kommt in Wellen und lässt mich oft nicht schlafen. Von meiner Mutter erwarte ich nicht mehr, dass sie mich freispricht. Statt essen erwartet sie von mir Linderung und Zuspruch, sprengt damit jede halbwegs vernünftige Grenze und lässt mich überfordert zurück. Diese Grenze zu setzen fällt mir schwer, und wenn ich es tue, habe ich Schuldgefühle. So dreht sich der Kreis immer und immer weiter.

Meine eigene Geistesschulung, die ich mir in den letzten Jahren gegönnt habe, betont Freundlichkeit, Geduld und Mitgefühl. Nicht zuletzt geht es darum, zu sich selbst lieb zu sein, zu Körper und Geist, in Gedanken, Worten und Taten. Mein Entschluss, mein sankalpa shakti, bleibt und wird bis zu Mamas Tod reichen.

Danach werde ich mich eine Weile fernhalten von solch nahen und verpflichtenden Bindungen.




Dienstag, 13. Januar 2015

Nach zwölf Jahren habe ich jetzt den HK'schen MacMug-Kalender von 2002/03 entsorgt (zu sehen hinten oben rechts; wie klein die Wohnung in einer der teuersten Städte der Welt, 1200 DM für knapp 30 qm). Bunt trägt er comicartige Illustrationen von Schweinen. Bedeutungsschwer, gewiss. Er erinnerte unter anderem an all die gesammelten Geburtstage. Ich werde keine aufheben, sondern vergessen sein lassen. Unter anderem Anderem ist er einer der Gegenstände aus meiner Zeit in der großen Stadt. Ein Dutzend Jahre her. Die Farben des Kalenders sind verblasst, nicht aber die inneren Bilder.

Erinnerungen – wie schön das Wort.

Im Moment besitzt das Leben hier eine friedliche Farbe. Trotz unheilvoller Geschehnisse weltweit. Es ist äußerst angenehm, die Dinge anders, nämlich aus einer Entfernung, wahrzunehmen. Es ist andererseits viel Gutes wahr geworden, das ich vor einem Dutzend Jahren mir nur erhoffen konnte. Wie lange es wohl noch schön bleibt, mit dem Bildhauer Zeit zu verbringen, mittags durch die Natur zu gehen, zu fahren, zur Zeit mit dem Auto, sobald das Wetter besser ist wieder mit dem Rad. Das Alleinsein bekommt dadurch eine andere Kraft und bleibt dennoch Bedürfnis. Es gibt immer wieder eine leichte depressive Unterströmung, ganz besonders, wenn ich Zeit nicht sinnvoll nutze.

Deshalb: Lass uns gemeinsam atmen.*

*rief eine Mutter in die Schreiorgien ihrer kleinen Tochter. Sie solle sich doch beruhigen. Gemeinsam atmen, das hilft bestimmt. (Das ist nur ein ganz kleines bisschen ironisch gemeint, am besten wir atmen jetzt alle mal gemeinsam.)




Freitag, 9. Januar 2015
Jetzt haben alle wieder Meinung und platzieren Grafiken und Sachen auf sämtlichen Profilen. Ich frage mich, wie Wahrheit überhaupt praktiziert werden kann, ungefärbt von Propaganda und verschwurbelten Berichten. Was bedeutet die persönliche Meinung überhaupt noch in einem von Massenmedien beherrschten Leben? Ich weiß nicht. Es ist mir beinahe peinlich, wie schnell eine markante Wortmarke zur Hand ist, die nun wie ein Wimpel zur Fußball-WM vertausendfacht im Wind steht. Schreckliches passiert (dauernd), und wir sollten gefälligst genau hinschauen, in wessen Namen eigentlich.

Hier sehen Sie ein Foto, das voll und ganz meiner persönlichen Meinung entspricht. Und?




Samstag, 3. Januar 2015
Aufräumen, lesen, etwas schreiben, spazieren gehen. Später kochen. Ein halber Käsekuchen steht auf dem kühlen Fensterbrett, innen. Frohes Neues. Obwohl es sich bloß um ein recht willkürliches Datum handelt, anders als Sonnwend zum Beispiel, fühlt sich Neujahr doch jedes Mal besonders an. Als gäbe es eine Barriere zu überklettern oder tatsächlich etwas hinter sich zu lassen. Ich möchte nicht mehr so viel Sorge um Mama haben, vielleicht mache ich mit R. das Ritual zum Bindungen trennen. Diese Art klebriger Verbindung, die nur Familienmitglieder untereinander haben. Mit der Busenfreundin beschlossen, nicht mehr über die Familie zu reden, je mehr Worte, umso tiefer bleibt man drin stecken. Nicht ignorieren, sondern einfach vorbeiziehen lassen, wie in einer zünftigen Meditation.

Die Bestefreundin ist mittlerweile wieder von ihrem neuen Mann ("da ist ein neuer Mann in meinem Leben") getrennt. Er war entweder müde oder hat über die Sorge um seine Kinder gesprochen. Nach zweidrei Monaten schon keinen Sex mehr, sondern frühe Sofaschläfchen um acht. Wir reden über den Zwang zum Sex, das heißt, ich will darüber reden, aber sie versteht mich nicht, für sie ist es ein Recht auf Sex. Meine Güte. Ich verspüre seit gestern einen leichten Groll, nicht auf sie, sondern auf das Thema. Sich das Gewünschte einfach nehmen, im besten Fall natürlich teilen, weiß ich ja. Als Ziel gemeinsame Orgasmen. Wie absurd. Und dann noch einen und nochmal. Als gäbe es nur Nähe durch die unteren Chakren. Naja, sagt sie, eben auch unten und nicht nur im Herz. Sie müsste es eigentlich besser wissen.

Trotzdem ist der Jahreswechsel mit ihr und dem Bildhauer äußerst angenehm. Wir liegen vorm Kamin und quatschen oder kochen mehrere Gänge. Den Hügel, auf dem angeblich ordentlich geballert wird, erreichen wir 15 Minuten zu spät, nach einer nicht besonders gut vorbereiteten Nachtwanderung durch Wald und Heide. Beide Freunde haben anschließend wehe Füße und mir war ein wenig schlecht von der Aufregung, nachts durch unbekanntes Gelände zu laufen. Dreiviertelmond. Oben weht ein eisiger Wind und in der Ferne leuchten Raketen wie kleine Cocktail-Schirmchen über der Heide. Ganz plötzlich sind wir fast allein, und hätten wir nicht eine vergessene Taschenlampe mitgenommen, wir wären vielleicht verschollen.




Mittwoch, 17. Dezember 2014
Beschlossen, dieses Jahr nur noch das Nötigste zu arbeiten und alle Termine auf Januar verschoben. Die stete Kapitalismuskritk anbei. Die Konten sind wieder auf dem Stand vom letzten Jahr, also ausgeglichen. Die Mutter der Leserin ist gestern gestorben. Sie hatte seit vier Wochen keine Nahrung mehr genommen und seit eineinhalb nichts mehr getrunken. Das berührt mich sehr. Meine Mama indes hat wieder Kraft geschöpft und ich erkenne, dass sie ihr eigenes Leben hat. Ihr eigenes Sterben haben wird. Und ich das meine.


Und unter alldem, da keimt etwas Zartes. Es wird teils gespeist durch gute Erinnerungen, teils ist es sehr neu und deshalb begeisternd. Nach fast fünf Jahren wieder den Bass aus der Tasche gefriemelt, deren Reißverschlüsse rauh geworden waren. Die Finger sind ebenso, aber ich übe ein einfaches Stück, mit dem ich das Bass-Spiel einst begonnen habe, 1979, von The Smashing Pumpkins. Einfach durchachteln. Billy Corgan sieht eigentlich aus wie der Geräuschemann. Allerdings fand ich Billy gut, bevor ich den Geräuschemann traf. Und mein Musikmachen begann auch vor ihm. Ich muss das auseinanderhalten. Voreinander trennen. Letztlich hat er sich sowieso nicht für meine Lieder interessiert, zu meinem Soloauftritt im August 2008 ist er nicht mal gekommen. Wenn ich jetzt neu starte, finde ich vielleicht endlich Frieden, und vielleicht kann ich neue Lieder schreiben, nicht die weinerlichen Love Songs von einst.

Die Musik. Vielleicht spendiere ich mir neue Lautsprecher, die alten sind riesig und der Schaumstoff löst sich schon auf nach 25 Jahren, wahrscheinlich fallen die Töner irgendwann einfach raus.

Ja, vielleicht. Vielleicht auch nicht, das macht nichts. Es soll schön sein, das neue Jahr.




Donnerstag, 4. Dezember 2014
All die Leute, die dauernd rein und raus gehen, seit die Tür nicht mehr zugeht. Mama hat kein Vertrauen, wieso auch. Es ist offensichtlich besser, keine Pflegestufe zu haben, jetzt rede ich schon wie die, das müsste doch heißen, einer Stufe zugeordnet werden, oder wie auch immer. Also ist sie noch viel zu rege und schlau. Ich frage die Gutachterin, ob es nicht ein bisschen finanzielle Unterstützung gibt, schließlich machen wir dies und jenes, waschen, putzen, legen. Und dann verstehe ich erst, es geht allein um Demenz und die direkte Pflege des Körpers, putzen, waschen, legen gehört nicht dazu. Ansprache, Aufmerksamkeit, Mitgefühl oder gar Liebe gehören nicht mit zum Programm, da wird einfach bloß reingekommen, in alle Winkel geglotzt und geschlaubergert.

Dann doch lieber gar nichts. Die dauernd wechselnden Pflegepersonen messen eilig den Blutdruck, pieksen in Finger, um etwas Blut zu bekommen und zu messen, messen für Zahlen, bitte Zahlen her, und haben Sie Ihre Medikamente genommen, das ist alles. Noch bis nächsten Donnerstag, wir laden sie nicht mehr ein, bloß nicht weiter, die nerven.

Mama hat gekämpft wie eine Löwin, mittlerweile wissen alle, wie fit sie ist, und ihre Schwäche von vor drei Wochen war nur eine kurze. Ich finde sie toll. Wir haben viel gelernt über das, was wir wirklich wollen, was Menschen wirklich wollen, um würdig zu leben und irgendwann zu sterben.

Ich übe jetzt, und Dudi auch, mir keine Sorgen mehr zu machen und Vertrauen zu haben, in Mama und die Art, wie sie ihr Leben leben möchte. Vertrauen ins Schicksal. So wird das gehen. Finde ich.




Sonntag, 30. November 2014


Versuche mit Sand und Pendel und ein hochtrabender Titel. Ist nicht neu, aber schön und beruhigend beim Zusehen. Wir müssen alle Möglichkeiten nutzen, das meditative Leben wieder herzustellen. Ist mir sonst zu wirr hier.