Freitag, 18. Mai 2018
Voller Bilder an diesen Tagen. Eine Unruhe, das alles umzusetzen. Für manches bin ich wie immer zu spät, für einiges zur rechten Zeit. Es macht wieder etwas richtig Spaß. Ein Hin und Fort zum und vom Mütterlein. Immer mehr ein Fort. Immer mehr ein Hin zum schöpferischen Arbeiten. Zu mir. Reiche Träume, bunt und golden. Es fließt Geld zu den Kindern, die müde und traumatisiert in zärtliche Arme fallen. Welten in Welten. Übereinkunft mit dem Bildhauer über Lächerlichkeiten. Alles verstehen wollen. Vieles beiseite lassen. Und offen bleiben.




Sonntag, 1. April 2018
Natürlich war ich nicht die ganze Zeit krank, weshalb ich nichts geschrieben habe, sondern beschäftigt. Heute fällt Ostern auf den 1. April, also aus. Es ist eine gute Zeit, zwar gespickt mit kleinen, aber leicht zu umschiffenden Schwierigkeiten, wovon die eine ein schmerzhafter Arm von zu vielem Arbeiten in Größe 1:4 ist. Kleine Pause davon. Ja, das war’s auch schon von mir.




Dienstag, 27. Februar 2018
Hatte ich bisher gedacht, ich sei unsterblich, bekam ich jetzt eine Grippe. Bin also auch dabei. Mir ist öde. Traue mich nicht, die Fenster zu öffnen, um die Bronchien nicht zu sehr zu reizen und frage mich, ist jetzt Vata erhöht oder Pitta, wegen des Fiebers? Einer ayurvedischen Lebensweise zu folgen, heißt ja nicht, dass man sie von Grund auf begreift. Aus Langeweile habe ich einen twitter-Account eröffnet, wohl wissend, dass ich dort nichts zu sagen habe. Vielleicht kann ich mal mit dem britischen Gitarristen kommunizieren, ich sehe aber, dass er Fans kaum je antwortet. Was soll man auch sagen zu ich find’ dich toll oder ich besitze alle deine Platten oder ich trage meine Haare wie deine? Oder lieber doch siezen? Das geht ja im Englischen nicht so gut, Mr. C.

Die neuesten kreativen Arbeiten bewegen sich in Miniaturwelten von 1:4 oder so. Der Bildhauer hat mir einen Bogen gebastelt, dazu drei befiederte Pfeile in einem Köcher aus feinstem Fensterleder. Noch nie habe ich so ein schönes Geschenk erhalten!




Montag, 29. Mai 2017
Manchmal möchte man sich gern die Unfähigkeit vertreiben lassen, es mit sich auszuhalten. Solche Tage gibt es. Da fahren wir mit dem Rad durch die Stadt und können uns nirgends zum Bleiben entscheiden, wir vertreiben zum Beispiel SMSse von Kindsmüttern, wahrscheinlich während einer ebensolchen Phase bei Alkohol getippt wie geht es dir? Das löst im Bildhauer eine Bilderflut hervor, die kann ich ihm nicht nehmen. Ich selbst bin damit beschäftigt zu entscheiden, ob ich dem Auftritt meiner Ex-Band beiwohnen sollte, auch meinerseits angestrengtes Erwägen der möglichen Folgen: diffuse Sehnsucht nach was, oder Klänge, die was anderes auslösen. Ich entscheide, nicht zu gehen, da aber das Ereignis in möglicher Hörnähe stattfindet, lausche ich, halte gar den Kopf zum Fenster hinaus, aber es sind nur die Nachbarn, die etwas Härteres aufgelegt haben. Der Bildhauer backt auf meinen Wunsch eine ziemlich perfekte Pizza mit Lachs und Spargel. Ich esse mich satt.

Wir gehen ab Nachmittag eigene Wege, meine pendeln zwischen Der Kleine Hobbit und Nichtstun, wie kann man diese magere Geschichte nur auf drei Stunden auswalzen, bildgewaltig, ja, aber. Zufällig entdecke ich Moriarty in einem anderen Film und in einer Nebenrolle Sherlocks Bruder Mycroft, beide nicht gut gewählt oder einfach nicht gut spielend, aber wahrscheinlich gehören sie der BBC.

Und trotzdem; es gibt viel Erfreuliches. Ich verbringe Zeit mit dem jüngsten Patenkind, das schon fast lesen kann, ich habe einige Jahre verpasst, weil die eigene Mutter mir auf der Seele lag. Die wundert sich, dass sie so etwas wichtiges wie Mutterschaft bzw. Geburt ihrer Töchter vergessen konnte. Ob ich wirklich aus ihrem Bauch gekrochen sei? Na, sage ich, nicht gerade gekrochen, eher rausgeflutscht, so mit viel Blut und Schleim. Buargh, macht sie und schüttelt sich. Ich lache.

Das Patenkind und ich bringen uns auch zum Lachen. Wir versuchen, Urmel aus dem Eis zu schauen, aber es findet es langweilig. Trotzdem kann es sich kaum lösen von der Betrachtung des Bildschirms, und ich necke es ein bisschen und kitzele es. Urmel aus dem Eis ist wirklich witzig, ich schaue die vier Filme später allein. Alles sehr langsam, 1969 hatte man noch Zeit, die Puppen gehen halt da so lang und das dauert. Urmel ist niedlich, Wutz dreckig, der Professor vergesslich, der Seelöwe nervt mit seinem Gesang. Wahrscheinlich waren alle bekifft und hatten unglaublichen Spaß beim Dreh, die Idee mit den verschiedenen Sprachfehlern trägt. Mupfel.

Eine gesellige Zeit. Halbwegs spontan kommt G. zur Kaffeezeit, und da sie auch Hunger hat, ist es eher ein spätes Mittagessen. Trotz ihres eher männlichen, fast verwüsteten Aussehens, das sie noch mit dunkler Schminke und extremem Haarschnitt verstärkt, ist sie der sanfteste Mensch, den ich kenne. Sie ist schlau, warmherzig und weltoffen und unser Gespräch klingt gut an. Am Donnerstag habe ich sie, die Busenfreundin und L. zum Abend bei mir. Alle werden rauchen und trinken, ich kann mich noch nicht entscheiden, ob ich Risotto reiche oder Nudeln mit selbstgemachtem Pesto.

Zudem tanze ich auf einer kreativen Welle – ein selbst erdachtes Projekt, das mit dementen Menschen zu tun hat, Zielgruppe: Mama, mehr sei noch nicht gesagt. Ich bündele alle zur Verfügung stehenden gestalterischen Käfte, d. h. Menschen, Kolleginnen, die etwas beisteuern könnten und mache mich bereit, gegen Ende Juni etwas zum Vorzeigen zu haben, damit es finanziert werde. Allen, denen ich davon berichte, sind begeistert. Es könnte groß werden. Lustigerweise spart die dauerpleitene Bürokollegin nicht mit Ratschlägen zur Vermarktung. Warum nicht in großen Maßstäben denken, skandiert sie. Warum nicht erstmal in überschaubaren Dimensionen, wehre ich ab. Es ist eher ein Herzensprojekt als ein kommerzielles. Also dann.

Es geht gut grad.




Donnerstag, 5. Januar 2017
Ich bin jetzt mehr oder weniger entschlossen, das Jahr 2017 freizumachen, ich will es jetzt nicht großartig sabbatical nennen, und natürlich könnte man behaupten, ich hätte schon letzten Herbst damit angefangen. Ein bisschen. Vor ein paar Tagen habe ich nach neuen Jobs geschaut, und auch etwas gefunden, das ich immerhin so interessant fand, um eine Bewerbung zu erwägen. Gestern aber ist die kleine Mutter durchgedreht, sie war so wütend auf alles und jeden und schimpfte und schlug um sich. Ich war ein paar Stunden bei ihr, um sie zu beruhigen und mit ihr zu reden, es wurde eine echte Standpauke über Mitgefühl und Freundlichkeit, und sie jammerte, das kann ich nicht, das kann ich nicht, heute morgen musste ich schon drüber lachen. Gestern aber war ich mit den Nerven fertig und dachte, wie soll ich bei all den Ablenkungen arbeiten? An was denn überhaupt, was wichtiger ist als dies: Im Frieden mit sich und den Menschen sein, mit der Vergangenheit und den Feinheiten der aufsteigenden samskaras, herausfinden, was ich wirklich tun möchte in dieser aufregenden Welt. Stefan Sagmeister, der große Grafik-Designer, den ich bis jetzt gar nicht so ausführlich kannte, ist mit seinem Film in aller Munde und hat auch ein Jahr nicht gearbeitet. Letztlich hat er doch gearbeitet, aber eben für sich, das musste ich jetzt mal kursiv setzen, der hat das auch gemacht – als würde ein Kleinkind sprechen.

Tatsächlich, es gibt immer noch diesen kindlichen Rechtfertigungszwang, da hinten in der Ecke des Geistes, auf jeden Fall was tun müssen, produktiv sein. Verflixt. Und vielleicht bin ich auch keine so große Designerin, der eine Schaffenspause gebührt.

Aber vielleicht sollte ich einfach mal die Klappe halten und machen.
Am besten gleich alles kursiv.




Mittwoch, 24. Februar 2016
Mal was Kleines schreiben, entgegen der großen Gefühle über Leben und Tod. Zum Frühstück selbstgebackene Haselnuss-Schoko-Plätzchen mit einem großen Getreidekaffee. Ein bisschen lesen, was die anderen machen, die Damen Montez und Wunderkarte, die Herren Kid und Schneck. Sich darüber freuen, dass der Computer so gut funktioniert und systemisch auf dem aktuellesten Stand. Ein bisschen arbeiten, die neuen Programme ausprobieren. Warten bis die Sonnenstrahlen am Bildschirm vorbei sind, dann fang ich an.
Stille.




Donnerstag, 12. Februar 2015
undsoweiter, ich will machen. In der Planung sind verschiedene Projekte, unter anderem das Neukonzipieren meiner Website. Es soll Fotogalerien geben – aber schon die würden bedeuten, die Fotos zu sichten, ordnen und zu benennen. Dazu ein CMS installieren und so weiter. Ausufernd. Und bevor ich beginne, taucht die übliche Frage auf: Wozu? Dass ich ende wie die Busenfreundin, die seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten versucht, der Fotografien Herr zu werden, die im Laufe ihres Lebens entstanden sind, Unmengen von ihnen sicherlich bemerkens- und erhaltenswert. Mittlerweile beherrscht das Chaos im Arbeitszimmer sie statt umgekehrt, Grund genug auf steter Flucht davor zu sein, ihr Therapeut ist auch schon sauer. Oder nehmen wir die (ehemalige) Bürokollegin, ich mag gar nicht darüber schreiben, wie sehr ich leide, dass sie sich so verzettelt. Jetzt hat sie mit Handlettering angefangen und präsentiert mir unsägliche Titelentwürfe für ihr Buch, das sie seit vier Jahren machen will. Außerdem nimmt sie meine Workflow-Vorschläge nicht an. Verdammt, wie oft haben wir schon darüber geredet, erst eine Art Handmuster zu machen, mit Fotoabzügen, und so weiter.

Wahrscheinlich verirre auch ich mich gerade in den ziellosen Aktionen meiner Freunde. Undsoweiter. Ein gutes Wort. So funktioniert nämlich der Geist: Undsoweiterundsoweiter.

Lieber wieder aufs Sofa und weiterlesen: Zen in der Kunst des Bogenschießens, der Schüler-Klassiker von Eugen Herrigel. Vor über dreißig Jahren gelesen und jetzt neu gefunden. ..., dass es eine verschwenderische Fülle heilig gehaltener Zen-Texte gibt. Sie haben indessen die Eigenschaft, nur dem ihren lebensspendenden Sinn zu offenbaren, der aller entscheidenden Erfahrungen gewürdigt worden ist und somit aus diesen Texten herauszulesen vermag, was er unabhängig von diesen schon hat und ist. ... Zen kann somit wie alle Mystik nur von dem verstanden werden, der selbst Mystiker ist ... An diesem Text wiederum die eigene Entwicklung erkennen, macht gerade froh.




Dienstag, 13. Januar 2015

Nach zwölf Jahren habe ich jetzt den HK'schen MacMug-Kalender von 2002/03 entsorgt (zu sehen hinten oben rechts; wie klein die Wohnung in einer der teuersten Städte der Welt, 1200 DM für knapp 30 qm). Bunt trägt er comicartige Illustrationen von Schweinen. Bedeutungsschwer, gewiss. Er erinnerte unter anderem an all die gesammelten Geburtstage. Ich werde keine aufheben, sondern vergessen sein lassen. Unter anderem Anderem ist er einer der Gegenstände aus meiner Zeit in der großen Stadt. Ein Dutzend Jahre her. Die Farben des Kalenders sind verblasst, nicht aber die inneren Bilder.

Erinnerungen – wie schön das Wort.

Im Moment besitzt das Leben hier eine friedliche Farbe. Trotz unheilvoller Geschehnisse weltweit. Es ist äußerst angenehm, die Dinge anders, nämlich aus einer Entfernung, wahrzunehmen. Es ist andererseits viel Gutes wahr geworden, das ich vor einem Dutzend Jahren mir nur erhoffen konnte. Wie lange es wohl noch schön bleibt, mit dem Bildhauer Zeit zu verbringen, mittags durch die Natur zu gehen, zu fahren, zur Zeit mit dem Auto, sobald das Wetter besser ist wieder mit dem Rad. Das Alleinsein bekommt dadurch eine andere Kraft und bleibt dennoch Bedürfnis. Es gibt immer wieder eine leichte depressive Unterströmung, ganz besonders, wenn ich Zeit nicht sinnvoll nutze.

Deshalb: Lass uns gemeinsam atmen.*

*rief eine Mutter in die Schreiorgien ihrer kleinen Tochter. Sie solle sich doch beruhigen. Gemeinsam atmen, das hilft bestimmt. (Das ist nur ein ganz kleines bisschen ironisch gemeint, am besten wir atmen jetzt alle mal gemeinsam.)




Mittwoch, 24. September 2014
Schön heiß noch, und steht bei mir auf dem Arbeitstisch. Dazu ein Schokoriegel mit gepopptem Amaranth. Der Tisch befindet sich jetzt in meinem Wohnzimmer, ich kann von hier aus dem Fenster auf einem Walnussbaum sehen, dahinter viel Himmel. Keine Ruinen und Reiche-Leute-Lofts. Musste alles ein bisschen umdrehen und einige Möbel kommen endgülig weg. Die Heizung läuft und ich habe schon eine Stunde gearbeitet (und drei halbe Stunden abgerechnet, so macht man das hier). Links an der Wand das Sofa, auf das ich mich gleich legen und einen kleinen Telefonplausch mit der Bestenfreundin halten werde. Später werde ich mich den Kisten und Kästen auf dem Flur widmen. Auspacken und das meiste wegwerfen.

Geht ganz gut an, das Home-Office.




Dienstag, 16. September 2014


Wie viel Kram sich angesammelt hat in gut fünf Jahren Bürogemeinschaft. Etwas verzagt sitzen wir inmitten von unauflösbaren Stapeln, die Bürokollegin und ich. Wie viele Ideen geboren wurden, und wie wenige davon umgesetzt wurden. Ich selbst war da nicht so umtriebig, aber die Kollegin kam mit immer neuen Einfällen und frischem Tatendrang – den sie jetzt, nach alldem, als reinen Angst-Aktionismus beschreibt. Von irgendwas muss ich doch leben, rief sie oft. Ernüchtert sind wir und letzte Woche hatten wir ein echtes Tief. Wir haben aber aufgepasst, dass wir uns nicht gegenseitig beschuldigen. Sind doch unsere Arbeiten thematisch und finanziell immer voneinander getrennt gewesen.

Gleichzeitig emfinden wir Erleichterung und sind froh über den Nullpunkt. Neu anfangen, sich nicht verzetteln (oder jemanden dabei beobachten müssen, wie er sich verzettelt). Ich freue mich auf meinen Arbeitsplatz in einer Ecke meines Wohnzimmers, erst muss ich noch daheim aufräumen und wegwerfen, damit die Büro-Bücher einen schönen Platz finden, es sind ja einige echte Schätze dabei.

Natürlich machen wir weiter, unsere Freundschaft ist nicht mit dem Büro zu Ende gegangen, dafür verstehen wir uns zu gut. Das vom Bürobetreiber verheißene Netzwerkeln hat auch hier nicht funktioniert, im vorigen Gebäude waren wir allesamt Frauen (in diesem Haus sollen ausschließlich Frauen die Chefinnen sein!), dort war das Zickenkrieg, was man hier im gemischtgeschlechtlichen Kreativzentrum eher Gleichgüligkeit nennen könnte.

Wir staunen weiter über die jungen Berufsanfänger, die glauben, mit ihrer Arbeit Berge versetzen zu können – so richtig Karriere wollen sie machen und ihr Hobby zum Beruf. Tatsächlich kann ich mich glücklich schätzen, denn mein Hobby ist mein Beruf, und ich kann allein gut davon leben, mit den wenigen Ansprüchen, die ich so habe. Was aber die Kollegin schon an Geld verbraten hat für ihre zwei Pferde; alles für ein bisschen Glück auf deren Rücken. Es fällt mir schwer das nachzuvollziehen.

Denn was braucht es wirklich zum Glück? Drachen steigen lassen, zum Beispiel, oder mit dem Bildhauer rumlachen. Am See in der warmen Sonne liegen und mit einem Zeh das Wasser testen. Haselnüsse sammeln. Wolken beobachten. Über staubige Felder spazieren. Nach Steinen suchen. Mit den Freundinnen quatschen. Ab und zu einen Kaffee. Selbstgemachte Süßigkeiten probieren. Nachts aufwachen und Geräuschen lauschen. Dem Herbst entgegensehen. Still sitzen, den Atem spüren.