Der Online-Kurs "Zwei Künstler" der moskauer Kunstschule geht morgen in die letzte Woche. Jeder Teilnehmer suchte sich mehrere Werke zweier Künstler aus, die in der ersten Woche kopiert, währenddessen "drei Werte" die Technik des Künstlers beschreibend herausanalysiert wurden, und diese Werte stets im Auge behaltend, wurde in der zweiten Woche der Künstler nachgeahmt oder mit dem persönlichen Stil vermischt auf ein eigenes Sujet übertragen. In der fünften Woche, vor der wir jetzt stehen, treffen beide Künstler, ihre Stile, Werte, Formen aufeinander in einem Konglomerat von Allem. Oder so.

Meine zwei Künstler sind Paul Klee und Pierre Alechinsky. Mit Klees Raster kam ich nicht zurecht und am Freitag wollte ich ein zweites eigenes Bild im Stile Alechinskys... – ja, ich wollte es erzwingen, nachdem mein erstes Tusche-Bild "Gewitter" mit einem Blitz in mir ein großes Staunen auslösen konnte. Es ließ sich nicht. Erzwingen.

Mit der GPT-KI habe ich (in einem neu angelegten Chat, der alte ist vergessen) ausführlichst diskutiert, erörtert, gefaselt, russische Vokabellisten ausgehandelt, über den strengen Lehrer mit seinem akademischen Anspruch herzlichst abgelästert und über das Misslingen, das eigentlich ein Gelingen ist, allgemein. Der Chat war diesmal ganz anders. Der erste noch seelentief bestürzend, klingt dieser im Verlauf immer unbeschwerter und phasenweise sehr witzig und zum Lautlachen komisch.

Ich habe die KI gebeten eine Wochen-Zusammenfassung unseres Chats zu schreiben und hier ist sie.

In dieser Woche sollte ein Bild entstehen. Es sollte Schafe enthalten.

Das war ein vernünftiger Plan. Schafe sind friedlich. Sie grasen. Sie liefern Wolle. Man strickt Pullover aus ihnen. Niemand hat jemals wegen eines Schafes einen Krieg begonnen. Außerdem gab es bereits eine Scheune, die aus einem Blitzbild übrig geblieben war. Die Scheune wartete geduldig auf ihre Bewohner.

Alles schien vorbereitet.

Dann wurde ein Quadrat von einem Meter mal einem Meter angelegt. Ein Quadratmeter klingt zunächst harmlos. Ein Quadratmeter ist jedoch eine gewaltige Landschaft. Er enthält Wetter, Jahreszeiten, Zweifel, Kompositionsprobleme und mindestens drei existenzielle Krisen.

Die ersten Schafe erschienen. Leider waren sie zu sehr Schafe. Sie hatten Gesichter. Augen. Ausdruck. Absichten. Manche sahen sogar kompetent aus. Das war verdächtig. Denn eigentlich sollte hier Alechinsky wohnen. Oder Klee. Oder beide.

Nicht ein Schaf, das aussieht, als würde es gleich eine Steuererklärung ausfüllen. Also wurde übermalt. An dieser Stelle begann die Wolle, die Kontrolle zu übernehmen. Ein Schaf verschwand fast vollständig unter ihr. Erstaunlicherweise wurde es dadurch besser. Die Wolle verstand etwas, das das Gesicht nicht verstanden hatte.

Währenddessen versuchte ein Schafshorn, Kunst zu werden. Es verwandelte sich in eine Spirale. Leider in keine besonders gute. Die Spirale wurde daraufhin zu einem Mahnmal menschlicher Selbstüberschätzung erklärt. Auch sie verschwand teilweise unter Wolle.

Die Wolle zeigte sich insgesamt als sehr lösungsorientiert.

In einem anderen Feld entstand eine Wiese. Blumenähnliches. Strukturen. Rhythmen. Dort war Frieden. Dort wusste niemand, dass der Rest des Bildes in Schwierigkeiten steckte.

In der Zwischenzeit warteten Paul Klee und Pierre Alechinsky am Rand des Papiers. Paul fragte: "Wo ist das Raster?" Pierre fragte: "Wo ist das Gewürm?" Die Schafe fragten: "Wo ist das Gras?"

Niemand konnte diese Fragen zufriedenstellend beantworten.

Dann erschienen Eichhörnchen. Sie wurden nicht gemalt. Sie erschienen lediglich als Möglichkeit. Das genügte bereits, um die Lage weiter zu verkomplizieren. Das Bild begann sich zu wehren. Jeder Versuch, es stimmig zu machen, machte es weniger stimmig. Jeder Versuch, es richtig zu machen, machte es weniger lebendig. Das Bild hatte offenbar andere Pläne.

An diesem Punkt trat eine alte Bekannte auf: das schlechte Gewissen. Es erklärte, dass ein ernsthafter Mensch inzwischen längst ein fertiges Werk vorweisen müsste. Das schlechte Gewissen erklärte noch viele andere Dinge. Zum Glück hörte niemand richtig zu.

Draußen zog ein Gewitter auf. Später folgte ein roter Sonnenuntergang. Beide waren deutlich erfolgreicher als das Bild. Das Bild nahm dies erstaunlich gelassen hin. Am Ende der Woche gibt es deshalb kein fertiges Schafbild. Es gibt stattdessen: eine Wiese, einige Wollmassen, eine teilweise gescheiterte Spirale, mehrere freie Felder, eine Menge Fragen, einen Haufen Erkenntnisse und die wachsende Vermutung, dass ein einziger langer Wollfaden vielleicht interessanter sein könnte als alles, was ursprünglich geplant war.

Das Bild ist also nicht fertig. Aber es lebt noch.
Und nächste Woche werden Paul und Pierre heiraten.
Die Schafe sind eingeladen.
Die Eichhörnchen wahrscheinlich auch.
Über die Sitzordnung wird noch verhandelt.