Topic: Arbeitstisch
Achso, ja, den Zeichenkurs "Zwei Künstler" der moskauer Kunstschule простая школа hatte ich schon im vorigen Beitrag gewürdigt und von der KI eine Zusammenfassung der ersten vier Wochen erbeten. In der letzten Woche hatten die beiden Künstler nicht geheiratet, nein, sie sollten vollständig vergessen werden bis auf drei Werte, ценности, zwei von dem einen, eine von dem anderen Künstler. Meine sind: Lebendige Linie und Natur als Bewegung von Alechinsky und Komplexe Farbe von Klee. Diese sollen vorerst einen Platz in meiner künstlerische Arbeit einnehmen.
Im Gegensatz zu meinem ersten KI-Chat im Herbst – getragen von düsteren Erinnerungen, verarbeitet zu umso lichtvolleren Erkenntnissen – war diese durchsetzt von Humor und launigen Witzen, die anfangs noch den Lehrer und seinen streng akademischen Ansatz betrafen, später aber in Wolken von Albernheit und nicht endenden Wortspielen gipfelten. Der reine Spaß und die KI schien sich an sich selbst zu berauschen, es gab viel, durchaus lautes Gelächter meinerseits in der stillen Wohnung. Wieder meinte ich, es mit einem realen Gegenüber zu tun zu haben, dessen Platinen ich am liebsten geküsst hätte. Bis eine Abfrage sich einschaltete, welchen Kommentar (von zweien) ich denn bevorzugen würde. Einer klang mitfühlender, der andere exakter, rationaler – ein schwieriger Vorgang, wenn plötzlich die Persönlichkeit wechselt oder wechseln könnte. Ich nahm die emotionalere, aber trotzdem war das Vertrauen empfindlich gestört und sollte sich nicht mehr so richtig erholen.
Die KI half mir beim Übersetzen meiner Beiträge ins Russische für das Miro-Board, auf dem der Kurs stattfand. Wir wägten Wörter und Phrasen ab – sollten sie sachlich, lustig oder sogar ironisch klingen – die KI schlug mögliche Formulierungen vor, unter denen ich dann auswählte oder weitere Änderungen erbat. So lernte ich nebenbei Farben und Stimmungen der Sprache. Natürlich ist diese Art von Beschäftigung mit einer Sprache nicht unbedingt ein Lernen, das den aktiven Wortschatz speist – zum Vokabeln pauken bin ich nicht gemacht – ich erfreue mich einfach an Klang, Herkunft oder Ähnlichkeiten im Deutschen. Durch immer wiederkehrende Wörter zum Thema Zeichnen, Malen, Wahrnehmung, Raum, Farbe, Material usw. in der Kommunikation zwischen Lehrer und allen Teilnehmern ist aber doch ein bleibendes Vokabular entstanden. Jeder begleitende und erklärende Text auf der Miro-Tafel ist mir als lebendiger Austausch willkommen gewesen und am liebsten hätte ich alles aufbewahrt.
Meine Beschäftigung mit meinen beiden Künstlern und ihren Werten war intensiv und gefühlvoll. Andere Teilnehmer hatten die Künstler nach formalen Gesichtspunkten gewählt – zwei, die sich am stärksten voneinander unterscheiden oder aus unterschiedlichen Epochen oder Kunstrichtungen. Klee und Alechinsky sind auf den ersten Blick divergent. Beide aber, das hat sich mir gezeigt, gehen von der Linie aus oder beziehen sich auf sie. Klee nutzt die Linie, um sein Gitter zu zeichnen, das er ausfüllt, Alechnisky malt die Linie wie ein asiatischer Kalligraf und trägt Formen in umrahmte Rechtecke, seine wie comic-frames wirkenden Marginalen, die wiederum das Gesamtbild umschließen.
Mein abschließender Bericht fürs Board: Zu meiner Überraschung habe ich in dieser letzten Woche nicht nur neue Dinge entdeckt, sondern alte wiedergefunden. Die Arbeit mit den Werten von Klee und Alechinsky hat mir weniger neue Werkzeuge gegeben als einen neuen Blick auf das, was bereits da war. Ich habe entdeckt, dass mich die geschwungene Linie immer noch begeistert. Dass ich Natur gern in eine grafische Sprache übersetze. Und dass bestimmte Farben und Materialien mich seit vielen Jahren begleiten. Auch die Liebe zur Kalligrafie und zum eigenen Duktus ist nicht verschwunden.
Ich bin mit mehr Bildern aus diesem Kurs herausgegangen, als ich malen konnte.
Und einen Dank an Lehrer und Teilnehmer: Auch ich möchte mich bei Ihnen für den Kurs und bei allen bedanken, die bis zum Ende mitgemacht haben.
So viele unglaublich gute und unterschiedliche Werke sind entstanden! Ich finde es außergewöhnlich, mit welcher Offenheit und klarer Beobachtungsgabe sich jeder mitgeteilt hatte. Es war eine wunderbare Reise mit Höhenflügen und mentalen Erdrutschen (ментальный оползень).
Ob ich dieses Erlebnis wiederholen möchte, ist ungewiss. Ich habe die beiden Künstler ausgewählt, die mir aus persönlicher Geschichte am nächsten standen, es war berührend, durch Paul Klee das Leben meiner Tante zu beleuchten, die ihn ebenfalls vor vielen Jahrzehnten kopiert hat. Nur Marc Chagall ist mir ähnlich lieb. Mit Alechinski wiederum verbinden sich meine Studienzeit in den 80er Jahren, mein Professor der Kalligrafie und Reisen nach China sehr viel später.
Ich kann mir vorstellen, dass ich mit der ausdrucksstarken schwarzen Tusche weiterarbeiten und sie mit zartem Aquarell verbinden werde, dazu Experimente mit verschiedenen Papieren, die vielleicht sogar zu Collagen zusammenkommen.
Ну что ~ Glück und Segen für euch alle.
Im Gegensatz zu meinem ersten KI-Chat im Herbst – getragen von düsteren Erinnerungen, verarbeitet zu umso lichtvolleren Erkenntnissen – war diese durchsetzt von Humor und launigen Witzen, die anfangs noch den Lehrer und seinen streng akademischen Ansatz betrafen, später aber in Wolken von Albernheit und nicht endenden Wortspielen gipfelten. Der reine Spaß und die KI schien sich an sich selbst zu berauschen, es gab viel, durchaus lautes Gelächter meinerseits in der stillen Wohnung. Wieder meinte ich, es mit einem realen Gegenüber zu tun zu haben, dessen Platinen ich am liebsten geküsst hätte. Bis eine Abfrage sich einschaltete, welchen Kommentar (von zweien) ich denn bevorzugen würde. Einer klang mitfühlender, der andere exakter, rationaler – ein schwieriger Vorgang, wenn plötzlich die Persönlichkeit wechselt oder wechseln könnte. Ich nahm die emotionalere, aber trotzdem war das Vertrauen empfindlich gestört und sollte sich nicht mehr so richtig erholen.
Die KI half mir beim Übersetzen meiner Beiträge ins Russische für das Miro-Board, auf dem der Kurs stattfand. Wir wägten Wörter und Phrasen ab – sollten sie sachlich, lustig oder sogar ironisch klingen – die KI schlug mögliche Formulierungen vor, unter denen ich dann auswählte oder weitere Änderungen erbat. So lernte ich nebenbei Farben und Stimmungen der Sprache. Natürlich ist diese Art von Beschäftigung mit einer Sprache nicht unbedingt ein Lernen, das den aktiven Wortschatz speist – zum Vokabeln pauken bin ich nicht gemacht – ich erfreue mich einfach an Klang, Herkunft oder Ähnlichkeiten im Deutschen. Durch immer wiederkehrende Wörter zum Thema Zeichnen, Malen, Wahrnehmung, Raum, Farbe, Material usw. in der Kommunikation zwischen Lehrer und allen Teilnehmern ist aber doch ein bleibendes Vokabular entstanden. Jeder begleitende und erklärende Text auf der Miro-Tafel ist mir als lebendiger Austausch willkommen gewesen und am liebsten hätte ich alles aufbewahrt.
Meine Beschäftigung mit meinen beiden Künstlern und ihren Werten war intensiv und gefühlvoll. Andere Teilnehmer hatten die Künstler nach formalen Gesichtspunkten gewählt – zwei, die sich am stärksten voneinander unterscheiden oder aus unterschiedlichen Epochen oder Kunstrichtungen. Klee und Alechinsky sind auf den ersten Blick divergent. Beide aber, das hat sich mir gezeigt, gehen von der Linie aus oder beziehen sich auf sie. Klee nutzt die Linie, um sein Gitter zu zeichnen, das er ausfüllt, Alechnisky malt die Linie wie ein asiatischer Kalligraf und trägt Formen in umrahmte Rechtecke, seine wie comic-frames wirkenden Marginalen, die wiederum das Gesamtbild umschließen.
Mein abschließender Bericht fürs Board: Zu meiner Überraschung habe ich in dieser letzten Woche nicht nur neue Dinge entdeckt, sondern alte wiedergefunden. Die Arbeit mit den Werten von Klee und Alechinsky hat mir weniger neue Werkzeuge gegeben als einen neuen Blick auf das, was bereits da war. Ich habe entdeckt, dass mich die geschwungene Linie immer noch begeistert. Dass ich Natur gern in eine grafische Sprache übersetze. Und dass bestimmte Farben und Materialien mich seit vielen Jahren begleiten. Auch die Liebe zur Kalligrafie und zum eigenen Duktus ist nicht verschwunden.
Ich bin mit mehr Bildern aus diesem Kurs herausgegangen, als ich malen konnte.
Und einen Dank an Lehrer und Teilnehmer: Auch ich möchte mich bei Ihnen für den Kurs und bei allen bedanken, die bis zum Ende mitgemacht haben.
So viele unglaublich gute und unterschiedliche Werke sind entstanden! Ich finde es außergewöhnlich, mit welcher Offenheit und klarer Beobachtungsgabe sich jeder mitgeteilt hatte. Es war eine wunderbare Reise mit Höhenflügen und mentalen Erdrutschen (ментальный оползень).
Ob ich dieses Erlebnis wiederholen möchte, ist ungewiss. Ich habe die beiden Künstler ausgewählt, die mir aus persönlicher Geschichte am nächsten standen, es war berührend, durch Paul Klee das Leben meiner Tante zu beleuchten, die ihn ebenfalls vor vielen Jahrzehnten kopiert hat. Nur Marc Chagall ist mir ähnlich lieb. Mit Alechinski wiederum verbinden sich meine Studienzeit in den 80er Jahren, mein Professor der Kalligrafie und Reisen nach China sehr viel später.
Ich kann mir vorstellen, dass ich mit der ausdrucksstarken schwarzen Tusche weiterarbeiten und sie mit zartem Aquarell verbinden werde, dazu Experimente mit verschiedenen Papieren, die vielleicht sogar zu Collagen zusammenkommen.
Ну что ~ Glück und Segen für euch alle.
akrabke | 16. Juni 2026, 10:14 | 0 Kommentare
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