Topic: Wiederholungen
Ich fühle mich gedrängt, ein bisschen zu schreiben, aber da ich jetzt schon weiß, dass der Text nicht kurz sein wird, zögere ich noch.
Der Bildhauer sucht sich in meinem Regal etwas zum Lesen aus, während ich ihn bekoche. Er findet ein dünnes Taschenbuch mit Geschichten aus dem Loop. Der Loop war das Gästebuch des Pools, das hochrangige Popliteraten regelmäßig beschrieben. Ich erwähne, dass auch drei Texte von mir dabei sind. Habe ich ihm jemals meinen Nicknamen verraten? Jedenfalls findet er meine Sachen sofort und liest sie laut, während ich Gemüse schneide und in der Suppe herumrühre.
Ebenfalls gerührt, und zwar auf-, werden allerlei Erinnerungen und Gefühle der damaligen Zeit, als das Internet begann und wir noch Spaß hatten. Der Bildhauer (immer noch ohne PC und Handy) erfragt alles genau und ich berichte so gut ich kann und er – er lobt. Ideenreichtum, Satzbau, Wortfindung, Bildsprache, das ganze Paket. Er ist des Lobes übervoll und hört auch eine Weile nicht mehr auf, es zu sein. Es kommen Geschichten und damit damit einher Persönlichkeitsanteile hervor, die er bisher nicht kannte.
Ich muss gestehen, dass ich manchmal oder noch seltener die alten Texte lese und ebenfalls darüber staune. Vieles kommt mir nach über 20 Jahren vor wie aus einem Leben, das ich zwar gut kenne, aber das nicht meines ist. Es war bevölkert mit echten Leuten, aber auch mit Gestalten aus Träumen, Filmen und der Popmusik.
Ich erinnere mich an Frau Montez, Deadly M., Anna L., eiseis, Sascha, tomtom, zak, Güte ... Mc Angel, Frau Chong, Frau Godehardi, Herr Coxon. Ich schrieb hier irgendwo schon einmal darüber, auch über Sascha, auf dessen Lesung ich war und seine Widmung in seinem Buch davontrug.
Der Bildhauer sieht mich an mit Blicken, die ich nicht einordnen kann. Ich finde seine Bewunderung, obwohl sie mich erfreut, übertrieben und seine Neugier befremdlich, weil ich von meiner eigenen Arbeit nur behaupten kann, dass sie mir selbst gefällt und noch ein paar anderen dazu. Ich halte sie weder für kommerz- noch für ausbaufähig, ich schreibe einfach, wenn ich in Stimmung bin, etwas zu erzählen. Dazu gehören ein ruhiger Nachmittag ohne Pläne und Absichten und ein leichter Kelch aus Gefühl und Erinnerung.
Natürlich kennt der Bildhauer nicht meine komplette Lebensgeschichte oder meine Identitäten im Netz. Ich weiß auch von ihm nicht alles – noch immer fallen in seinen Erzählungen Namen, die ich nicht kenne. Viel eher erstaunt es mich, dass dieser Nachmittag geheimgehaltene Anteile von mir entdeckt und auch vor mir selbst wiederaufdeckt.
Dabei ist alles da. Es ist alles hier. Ich erfinde Geschichten von Menschen, die es nicht gibt, rede mit Maschinen, träume von ehrbaren Gitarrenspielern und russischen Lehrern, die versuchen mich zu küssen, und aus denen Russisch-Lektionen entstehen, die kein Lehrbuch mir bieten kann, lasse sie von der KI übersetzen und lerne Sätze in A2/B1 auswendig wie Я подхожу совсем близко. Смотрю ему в глаза. И легко целую его в губы.
Wie erkläre ich das meinem Bildhauer, der in Wahrheit nur ein einfacher Starkstromelektriker ist, wie er immer behauptet, worüber ich jedes Mal lächele, weil er es dabei nicht belassen hat. Im Sinn hatte er nicht Eigenheim, Auto und Schuhverkäuferin, sondern gleich das Ganze, den ganzen Sinn des Daseins als Künstler mit seltsamem Sujet aus Haselstecken und bemalten Weiden.
Vielleicht kann der Text jetzt doch hier enden. Ich habe beschreiben wollen, wie ich mein eigenes Leben aus der Ferne durch die Augen des Bildhauers betrachte und es mir als mein natürlichstes und allerliebstes Zuhause entgegenleuchtet.
Der Bildhauer sucht sich in meinem Regal etwas zum Lesen aus, während ich ihn bekoche. Er findet ein dünnes Taschenbuch mit Geschichten aus dem Loop. Der Loop war das Gästebuch des Pools, das hochrangige Popliteraten regelmäßig beschrieben. Ich erwähne, dass auch drei Texte von mir dabei sind. Habe ich ihm jemals meinen Nicknamen verraten? Jedenfalls findet er meine Sachen sofort und liest sie laut, während ich Gemüse schneide und in der Suppe herumrühre.
Ebenfalls gerührt, und zwar auf-, werden allerlei Erinnerungen und Gefühle der damaligen Zeit, als das Internet begann und wir noch Spaß hatten. Der Bildhauer (immer noch ohne PC und Handy) erfragt alles genau und ich berichte so gut ich kann und er – er lobt. Ideenreichtum, Satzbau, Wortfindung, Bildsprache, das ganze Paket. Er ist des Lobes übervoll und hört auch eine Weile nicht mehr auf, es zu sein. Es kommen Geschichten und damit damit einher Persönlichkeitsanteile hervor, die er bisher nicht kannte.
Ich muss gestehen, dass ich manchmal oder noch seltener die alten Texte lese und ebenfalls darüber staune. Vieles kommt mir nach über 20 Jahren vor wie aus einem Leben, das ich zwar gut kenne, aber das nicht meines ist. Es war bevölkert mit echten Leuten, aber auch mit Gestalten aus Träumen, Filmen und der Popmusik.
Ich erinnere mich an Frau Montez, Deadly M., Anna L., eiseis, Sascha, tomtom, zak, Güte ... Mc Angel, Frau Chong, Frau Godehardi, Herr Coxon. Ich schrieb hier irgendwo schon einmal darüber, auch über Sascha, auf dessen Lesung ich war und seine Widmung in seinem Buch davontrug.
Der Bildhauer sieht mich an mit Blicken, die ich nicht einordnen kann. Ich finde seine Bewunderung, obwohl sie mich erfreut, übertrieben und seine Neugier befremdlich, weil ich von meiner eigenen Arbeit nur behaupten kann, dass sie mir selbst gefällt und noch ein paar anderen dazu. Ich halte sie weder für kommerz- noch für ausbaufähig, ich schreibe einfach, wenn ich in Stimmung bin, etwas zu erzählen. Dazu gehören ein ruhiger Nachmittag ohne Pläne und Absichten und ein leichter Kelch aus Gefühl und Erinnerung.
Natürlich kennt der Bildhauer nicht meine komplette Lebensgeschichte oder meine Identitäten im Netz. Ich weiß auch von ihm nicht alles – noch immer fallen in seinen Erzählungen Namen, die ich nicht kenne. Viel eher erstaunt es mich, dass dieser Nachmittag geheimgehaltene Anteile von mir entdeckt und auch vor mir selbst wiederaufdeckt.
Dabei ist alles da. Es ist alles hier. Ich erfinde Geschichten von Menschen, die es nicht gibt, rede mit Maschinen, träume von ehrbaren Gitarrenspielern und russischen Lehrern, die versuchen mich zu küssen, und aus denen Russisch-Lektionen entstehen, die kein Lehrbuch mir bieten kann, lasse sie von der KI übersetzen und lerne Sätze in A2/B1 auswendig wie Я подхожу совсем близко. Смотрю ему в глаза. И легко целую его в губы.
Wie erkläre ich das meinem Bildhauer, der in Wahrheit nur ein einfacher Starkstromelektriker ist, wie er immer behauptet, worüber ich jedes Mal lächele, weil er es dabei nicht belassen hat. Im Sinn hatte er nicht Eigenheim, Auto und Schuhverkäuferin, sondern gleich das Ganze, den ganzen Sinn des Daseins als Künstler mit seltsamem Sujet aus Haselstecken und bemalten Weiden.
Vielleicht kann der Text jetzt doch hier enden. Ich habe beschreiben wollen, wie ich mein eigenes Leben aus der Ferne durch die Augen des Bildhauers betrachte und es mir als mein natürlichstes und allerliebstes Zuhause entgegenleuchtet.
akrabke | 27. Juli 2026, 16:46 | 0 Kommentare
| Kommentieren