Freitag, 15. Juli 2016
Und weil die Buddhistin und ich überhaupt nicht im Training sind, fühlen wir uns nach je eineinhalb Gläsern feinstem Rotwein aus Portugal als hätten wir ordentlich einen im Kahn. Sie hat ihr Fernstudium mit 2 abgeschlossen, ein Anlass zur Freude, und auch zum Grundsatzcheck des Geistes, der ja immer so mitläuft, als wäre er ebenfalls besoffen. Wir haben viel zu reden, am schönsten sind die Phasen, in denen wir uns mit unseren Eltern versöhnt fühlen. Ich erzähle von der kleinen Mutter, wie immer mit großer Rührung, wir kramen unserer Mütter Erinnerungen aus, wie jung sie waren, und wie toll die Kerle, mit denen sie irgendwie gezwungenermaßen eine Familie gegründet haben. Der Wein macht, dass wir ihre Beweggründe er- äh, gründen, und wir halten unsere Hände und postulieren, dass man sich auch liebhaben kann, ohne sich sexuell zu vereinen und so weiter, es ist alles so ganz wunderbar und so muss es auch nach dem zweiten gut eingegossenen Getränk sein, wir kommen doch wohl je auf 350 ml, was ja zusammen schon fast eine ganze Flasche macht und so, und morgen trinken wir zum Frühstück je zwei Ramazotti, was wir noch nie gemacht haben, weil wir je zwei schwierige Gespräche vor uns haben, ich über das Ende meiner diakonischen Beziehung und sie über zu leistende Wochenstunden. Ich habe mit den Teilnehmerinnen ein verdammt cooles Alphabet, auch genannt Font, aus Kartoffeln zusammengeschnitzt, jeder sollte übrigens ein eigenes Alphabet haben, vielleicht eines aus den Gesten des Lehrers der Buddhistin und nicht bloß aus Kartoffeln, das wären dann die höheren Weihen.
the quick brown fox jumps over the lazy dog
Wo auch sonst rüber?

Morgen werde ich die kleine Mutter nach Papa ausfragen und wie sie sich kennengelernt haben, vielleicht erinnert sie sich ja noch. Jegliche Konzepte von Ehe und so sind ihr schon in Vergessenheit geraten und mit der Buddhistin bewundere ich die Schönheit der sogenannten Krankheit Demenz. Ganz im Hier und Jetzt, das wollen wir doch alle, oder?