Dienstag, 28. Mai 2013
Die Masch ist weitflächig überschwemmt. Bäume stehen im Wasser wie Mangroven, Schwäne und Enten schwimmen auf tiefgetretenen Pfaden. Zum See muss ich einen Umweg nehmen. Auf der Liegewiese steht das Gras hoch, die wenigen Nackten, die sich sonnen, verschwinden zwischen den sattgrünen Halmen. Ich lege mich dazu und genieße das Alleinsein. Kurz hatte ich einen englischen Text über die Einsamkeit angelesen, es waren aber zu viele unbekannte Vokabeln darin, um ihn zügig zu überfliegen. Einsamkeit sei schlimmer als sterben – in der Vergangenheit, ich hoffe, dass er darauf hinausläuft, dass man in der Gegenwart gern allein ist. Ich denke ein bisschen an den Esoteriker, der mich im letzten Sommer kaum mal allein sein ließ.

Im Gras liegend höre ich die Stimme der Alten mit dem Wägelchen, anscheinend ist jemand von den FKKlern gestorben, es könnte die mit den langen weißen Haaren sein, die ist sonst bei jedem Sonnenstrahl draußen, ich kenne aber niemand beim Namen, die Frau sagt, wer kommt denn noch, wenn wir nicht mehr kommen, ich hoffe wir bekommen alle eine Nacktliegewiese im Himmel.

Wenn's mehr nicht ist, als eine sonnige Wiese im Himmel.

Mein schönster Moment im Jahresverlauf ist, wenn ich das erste Mal draußen schwimme. Dass ich noch vorletzte Woche im Bodensee war, nach der Sauna, zählt sicher doppelt. Wassertemperatur heute: Rein ohne zu zetern. Also immer noch kalt. Aber sehr angenehm nach dem Stündchen Sonnenliegen.

Bald ziehen einige Wolken auf und ich beschließe zu fahren, wieder zurück durch die nasse Masch, wieder den Umweg. Vor der Haustür taste ich nach dem Schlüssel, nicht in der Beuteltasche, nicht in der Hose. Also nochmal zurück zum See, 20 Minuten. Am Rand meines plattgelegenen Vierecks finde ich endlich das Bund, die beiden Männer neben mir zeigen Interesse und einer sagt, kaum waren Sie weg, kam die Sonne wieder – ich, das dachte ich mir schon und jetzt bleib ich einfach. Und nochmal gleite ich von der Leiter runter ins klare Wasser und schwimme sogar eine kleine zehn-Meter-Runde, fühlt sich phantastisch an.

Eine weitere dreiviertel Stunde gesonnt, bis ich trocken und warm bin, Amsel singt, Gras wächst weiter, verabschiede ich mich von den Männern und freue mich aufs Essen, während ich ordentlich in die Pedale trete: Gedämpfte Möhren und Kartoffeln, darauf ein in viel Ghee gebratenes Spiegelei.

Wenn es morgen wieder so schön ist, nehme ich den wetsuit mit und koch danach was ähnliches mit Kohlrabi.