Mittwoch, 4. Februar 2026
Eine Schreibübung. Den Geist beobachten.
Seit Tagen geht mir ein Lied durch den Sinn. Golden Brown von The Stranglers. Hörgewohnt seit den Studienzeiten in den 80ern, aber das Video dazu kannte ich nicht, jetzt habe ich es zum ersten Mal ansehen können. Die Bandteilnehmer geben sich als Forscher der ägyptischen Pyramiden aus, sie musizieren in einem orientalischen Saal mit Säulen, Brunnen und Palmen, auf dem Mikrophon prangt ein Logo Radio Kairo. Der Sänger, mit einer Hand aufs Klavier gestützt, scheint sich an eine vergangene Liebe zu erinnern, möglicherweise ein Mädchen mit goldbrauner Haut aus einem fernen Land.

Das Lied wiederzuhören und dazu das Video zu sehen, bringt mich seltsam auf. Da ist dieser Takt, 13/4, wie ich nachlese, drei Dreiviertel-Takte gefolgt von einem Vierviertel-Takt. Also durchaus tanzbar, wenn man einmal drin ist. Ich suche den Text ... aber es geht ja gar nicht um ein Mädchen – oder vielleicht auch, aber eigentlich werden Drogenerfahrungen auf H beschrieben.

Golden brown, texture like sun
Lays me down, with my mind she runs
Throughout the night, no need to fight
Never a frown with golden brown

Every time, just like the last
On her ship, tied to the mast
To distant lands, takes both my hands
Never a frown with golden brown

Golden brown, finer temptress
Through the ages, she's heading west
From far away, stays for a day
Never a frown with golden brown


Die vergilbten Bilder zeigen Schiffe mit gesetzten Segeln, fremdländische Basarszenen, eine prachtvolle Moschee, Menschen mit losen Gewändern gehen entlang, wir sehen Wüstenreiter auf Kamelen. Zurück im Saal ertastet der Pianist den seltsamen Takt, streicht der Bassist die Saiten mit grimmigem Gesicht, hält der Trommler seine Sticks zum Schlagen bereit. Der Körper des Sängers mit traurigem Gesicht und fernen Augen steht fast bewegungslos. Dann, aus sinnlichem Mund, leicht schneidend, aber in den Tiefen warm, seine Stimme.

Ich folge ihr und der Stimmung ... throughout the night ... an den Mast gebunden wie Odysseus ... die Hände gehalten ... kampflos ergeben ... gemeinsam ... zu fernen Ländern.

Das Lied ist nurmehr eine Erzählung, eine Erinnerung an ein leidenschaftsvolles Erlebnis, nun der Blick aus müden Lidern zurück in die Anderswelt; das Verstoßenwordensein der sehnenden Seele aus dem schützenden Kokon der Droge in die leere Welt. Meisterhaft dargestellt und vorgetragen bleibt das Lied in mir noch lange lebendig, vielleicht oder – sicher sogar als eigene Erfahrung der Versuchung und Entrückung.